Populäres Vorurteil: Vollwertkost mit einem hohen Ballaststoffgehalt ist besonders gesund.

Dieses Vorurteil basiert auf der Lehrmeinung, Nahrung sei dann besonders vollwertig, wenn sie
möglichst naturbelassen sei. Fast jede Be- und Verarbeitung sei mit einer Wertminderung verbunden.
[9] Diese Meinung verkennt aber, dass es nicht der Sinn der Natur ist, dem Menschen eine reich
gedeckte Tafel zu gestalten. Vielmehr ist es die Aufgabe des Menschen, sich die Rohstoffe der Natur nutzbar zu machen. Der
Mensch ist, wie jedes Tier, daran interessiert, sich auf Kosten anderer Lebewesen zu ernähren. Das aber stößt
bei den betroffenen Lebewesen nicht unbedingt auf Gegenliebe. Sie sind meist bestrebt, sich gegen Fraßfeinde, z. B. den
Menschen, zu schützen.
Im Laufe der Entwicklungsgeschichte hat der Mensch gelernt, sich nicht von Tollkirsche oder Fingerhut zu ernähren. Er
hat gelernt, Kartoffeln vor dem Verzehr zu garen. Und neben vielen weiteren Lernprozessen hat er auch gelernt, Getreidemehl
von Schalen zu trennen. Hier hat er keine Nahrungskosmetik betrieben, sondern sehr wohl Nützliches von Schädlichem
getrennt. Getreideschalen beherbergen natürliche Toxine, die das Getreide vor Fraßfeinden schützen sollen.
Diese werden zwar teilweise im Pansen des Wiederkäuers, nicht aber in unserem Verdauungssystem unschädlich gemacht.
Zum Schutz vor Nahrungstoxinen haben wir gelernt, Getreide zu mahlen, zu sieben, zu fermentieren und zu erhitzen. Nur so
können wir uns gefahrlos von diesem Naturprodukt ernähren.
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