Populäres Vorurteil: Jeder Mensch benötigt drei Liter Flüssigkeit am Tag.

Szenario: Stellen Sie sich doch einmal folgende Ernährungsempfehlung vor: Jeder Mensch soll täglich mindestens 3kg Nahrung zu sich nehmen.
Es gilt nur feste Nahrung, flüssige wird also nicht mitgezählt. Appetit soll möglichst nicht aufkommen und nur in Ausnahmefällen zur
Nahrungsaufnahme motivieren. Eigentlich soll man immer soviel gegessen haben, dass damit dem Appetit vorgebeugt wird.
Undenkbar! In einer Zeit, in der eine Ernährungsideologie vorherrscht, die vor zu üppiger Nahrungsaufnahme warnt, in der Schlankheitswahn
vorherrscht und in der es eher als modisch schick gilt, Appetit und Hungergefühl zu ignorieren als ihnen vorzubeugen, fällt es schwer, sich
derartige Ernährungsempfehlungen vorzustellen. In der Tat wären solche Empfehlungen fern jeder inneren Logik. Ist es doch der Appetit, den
unser Organismus als Signal absendet, um dem Verstand klar zu machen, dass es an der Zeit sei, Nahrung auf zu nehmen.
Undenkbar? Vergleicht man die derzeit gängigen Empfehlungen zur Flüssigkeitsaufnahme, so sind sie in Bezug auf ihre innere Logik keinen Deut besser als obige
Empfehlung. Vom Säugling bis zum Greis: alle werden angehalten, reichlich Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Durst dürfe erst gar nicht aufkommen, heißt es.
Für Fortgeschrittene gibt es die Lehre vom Flüssigen: Kaffee oder Bier büßen im Sinne dieser Ideologie ihren Status als
Flüssigkeit ein. Wer also dachte, der Status sei vom physikalisch definierten Aggregatzustand abhängig, wird eines besseren belehrt.
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